3. Definitionen der Klassenbegriffe von ENP

Zur Unterstützung der Eindeutigkeit der entwickelten Sprache wurden im Laufe der Entwicklung sprachliche Strukturen und Definitionen der einzelnen ENP-Gruppen durch das ENP-Entwicklerteam festgelegt.

 

Definition der ENP-Pflegediagnosen

 

Eine ENP-Pflegediagnose ist wie folgt definiert:

 

Eine ENP-Pflegediagnose ist ein sprachlicher Ausdruck, den Pflegende, wenn möglich, gemeinsam mit dem Betroffenen und/oder seinen Angehörigen/Bezugspersonen basierend auf einer systematischen Einschätzung/Beurteilung (Assessment, Pflegeanamnese, körperliche Untersuchung) des Gesundheitszustandes und dessen psychischen, physiologischen und entwicklungsbedingten Auswirkungen oder der Reaktion auf Gesundheitsprobleme nutzen, um auf dieser Grundlage die Entscheidungen über Pflegeziele zu treffen und geeignete Pflegeinterventionen auszuwählen.

 

Eine ENP-Pflegediagnose beschreibt mögliche pflegediagnostische Ergebnisse in einer standardisierten Form. Die Bestandteile einer ENP-Pflegediagnose sind ein pflegerisches Problem und eine Spezifikation. Ein kleiner Anteil, derzeit 9,2 % (n= 50), der ENP-Pflegediagnosen beinhaltet keine Spezifikation und dient als Restkategorie, wenn keine der angebotenen präkombinierten Pflegeprobleme mit Spezifikation zutreffen. Im Rahmen des diagnostischen Prozesses ergänzt die Pflegeperson in diesem Fall selbst die Kennzeichen und Ursachen und überführt das pflegerische Problem in eine Pflegediagnose. Eine Präkombination von Spezifikation und Pflegeproblem wurde in ENP immer dann vorgenommen, wenn es spezifische Interventionskonzepte für die ENP-Pflegediagnose gibt.

 

In ENP ist ein Pflegeproblem wie folgt definiert:

 

Pflegeprobleme sind aktuelle Beeinträchtigungen des betroffenen Individuums, die in seiner Person oder seiner Umwelt begründet sind. Oder es handelt sich um Risiken, die mit dem Gesundheitszustand oder der Behandlung des Betroffenen im Zusammenhang stehen, die er selbst nicht bewältigen oder beheben kann und die seine Unabhängigkeit und/oder die anderer Menschen einschränkt. Psychische, umweltbedinge und entwicklungsbedingte Zustände oder Veränderungen des physiologischen Gesundheitszustandes sowie altersbedingte Einschränkungen können Ausgangspunkt von Pflegeproblemen sein. Professionelles Handeln ist erforderlich, um die Pflegeprobleme zu erfassen, diese in eine Pflegediagnose zu überführen und den Gesundheitszustand durch geplante Pflege positiv zu beeinflussen.

 

Gordon und Bartholomeyczik (2001) schreiben, dass eine Pflegediagnose aus drei essentiellen Elementen besteht, „[…] die auch als PÄS-Schema bezeichnet werden. Diese drei Komponenten sind: Gesundheitliches Problem (P), Ätiologische bzw. damit verbundene Faktoren (Ä) [und] Definierende Merkmale oder Cluster von Zeichen und Symptomen (S)“. (Gordon und Bartholomeyczik 2001, S. 38 f.) Die Gruppe der Pflegeprobleme beschreibt auf der Ebene der Kategorie inhaltlich Pflegeprobleme, die die disjunkten Merkmalsträger darstellen, denen die Pflegediagnosenbegriffe zugeordnet sind. Aufgrund der Zusammensetzung einer ENP-Pflegediagnose aus einem Pflegeproblem und einer Spezifikation beinhaltet diese bereits mindestens zwei essentielle Elemente einer Pflegediagnose, wie von Gordon (2001, S. 38) definiert. Im Rahmen des diagnostischen Prozesses wählt die Pflegeperson passende Kennzeichen und Ursachen aus ENP aus. Die Kennzeichen beziehen sich in ENP nicht ausschließlich auf das Pflegeproblem, sondern auf die Kombination des Pflegeproblems und der Spezifikation.

 

In der nachfolgenden Tabelle 4 werden exemplarisch die ENP-Pflegediagnosen der Klasse 1.1 Körperpflege/Kleiden und der Kategorie 1.1.1 Selbstfürsorgedefizit Körperwaschung aus der Domäne 1 Pflegediagnosen aus dem funktionalen/physiologischen Bereich vorgestellt, um den Unterschied zwischen Pflegeproblem (= Kategorie) und Pflegediagnose in ENP zu verdeutlichen.

 

 

 

Klasse

Kategorie
(= Pflegeproblem)

ENP-Pflegediagnosen

1.1 Körperpflege/Kleiden

 

1.1.1

Selbstfürsorgedefizit Körperwaschung

Der Bewohner/Patient/Klient kann sich aufgrund einer Bewegungseinschränkung nicht selbstständig waschen

Der Bewohner/Patient/Klient kann aufgrund einer Hemiplegie/-parese die Körperwaschung nicht selbstständig durchführen

Der Bewohner/Patient/Klient kann sich aufgrund eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit nicht selbstständig waschen

Der Bewohner/Patient/Klient darf sich bei der Körperpflege aufgrund einer verminderten Herzleistung nicht anstrengen, Selbstfürsorgedefizit Körperwaschung

Der Bewohner/Patient/Klient kann aufgrund einer Bewegungseinschränkung die Gebrauchsgegenstände zur Körperwaschung nicht halten, Selbstfürsorgedefizit Körperwaschung

Der Bewohner/Patient/Klient kann aufgrund von Desorientierung die Körperwaschung nicht selbstständig gestalten

Der Bewohner/Patient/Klient soll aufgrund einer Wirbelsäulenverletzung Bewegungen zwischen Becken und Rumpf vermeiden, es besteht ein Selbstfürsorgedefizit bei der Körperwaschung

Der Bewohner/Patient/Klient ist aufgrund einer quantitativen Bewusstseinseinschränkung  bei der Körperwaschung voll abhängig

Das Bewohner/Patient/Klient kann entwicklungsbedingt die Selbstpflege im Bereich der Körperhygiene nicht selbstständig erfüllen

Der Bewohner/Patient/Klient führt die Körperwaschung nicht adäquat durch, Selbstfürsorgedefizit Körperwaschung

Der Bewohner/Patient/Klient kann aufgrund einer Wunde im Intimbereich die Intimpflege nicht in gewohnter Weise durchführen

Der Bewohner/Patient/Klient kann sich auf Grund sonstiger Ursachen nicht selbstständig waschen

Der Bewohner/Patient/Klient kann sich nicht selbstständig duschen/baden

Tabelle 4: Exemplarische ENP-Pflegediagnosen aus der Kategorie Körperpflege/Kleiden

 

Bis auf die beiden letzten ENP-Pflegediagnosen (hellblau) sind alle Pflegediagnosen entweder durch eine Ursache (grau) oder ein Kennzeichen (gelb) als Spezifikation ergänzt. Die hier vorgestellte Operationalisierung des Selbstfürsorgedefizits Körperwaschung ist durch die Entwicklung der Praxisleitlinie bestimmt. Wird während der Entwicklung einer pflegediagnosenbezogenen Praxisleitlinie deutlich, dass es z. B. bei dem Selbstfürsorgedefizit Körperwaschung bei Hemiplegie ganz spezielle Interventionskonzepte gibt, würde die ENP-Pflegediagnose präkombiniert weiterentwickelt werden, wie es schon in der Vergangenheit geschah. In der veröffentlichten Literaturanalyse, die im Rahmen der ENP-Entwicklung zu den Pflegediagnosen der Subkategorie Selbstfürsorgedefizit Körperwaschung erstellt wurde, wird gezeigt, dass für die derzeitigen in der Tabelle 3 aufgeführten ENP-Pflegediagnosen spezielle Handlungskonzepte existieren (Helmbold 2010a).

 

Damit der Nutzer der ENP-Fachsprache zur Abbildung des Pflegeprozesses differenzierte und zielgerichtete Interventionskonzepte angeboten bekommt, wurde die beschriebene Struktur der ENP-Pflegediagnosen gewählt. Die ENP-Pflegeprobleme, die keine Spezifikation beinhalten, dienen als Restkategorie, die durch die Pflegeperson in eine Pflegediagnosenformulierung durch die Codierung von Kennzeichen und Ursachen überführt wird. Diese Restkategorien sollten nur genutzt werden, wenn keine spezifische ENP-Pflegediagnose vorhanden ist.

 

Syntax einer ENP-Pflegediagnose

 

Die Festlegung der Syntax der verschiedenen Sprachbausteine in ENP dient der Vereinheitlichung der Struktur der Fachsprache.

 

Beispiel:

 

„Der Patient hat aufgrund eines liegenden Tracheostomas das Risiko einer Hautschädigung“.

"Der Patient" = Subjekt (Nominativ)
"hat" = Vollverb / Prädikat
"aufgrund eines liegenden Tracheostomas" = Präpositionalobjekt (Genitiv)
"das Risiko" = direktes Objekt (Akkusativ)
"einer Hautschädigung" = Artergänzung (Genitiv)

 

„Der Patient kann aufgrund einer Hemiplegie /-parese die Körperwaschung nicht selbstständig durchführen“.

"Der Patient" = Subjekt (Nominativ)
"kann" = Modalverb (Teil 1 der Verbklammer)
"aufgrund einer Hemiplegie/-parese" = Präpositionalobjekt (Genitiv)
"die Körperwaschung" = direktes Objekt (Akkusativ)
"nicht selbständig" = negierte Adverbialphrase (der Art & Weise)
"durchführen" = Vollverb (Teil 2 der Verbklammer, hier Infinitiv)

 

Bei den Pflegediagnosen in ENP, die über keine Spezifikation verfügen, setzt sich die Syntax wie folgt zusammen:

 

„Der Patient-- hat ein Dekubitusrisiko“

"Der Patient" = Subjekt (Nominativ)
"hat" = Vollverb / Prädikat
"ein Dekubitusrisiko" = direktes Objekt (Akkusativ)

 

Die Satzkonstruktion einer Pflegediagnose ist in der dritten Person Singular formuliert, die genutzten Verben stehen im Präsens. Der Hintergrund, die Satzkonstruktion so zu gestalten, wie sie oben beschrieben wurde, hat pragmatische und sprachstilistische Gründe. Es wäre durchaus möglich, das Präpositionalobjekt an das Satzende zu stellen. Die ENP-Pflegediagnose könnte z. B. auch lauten, der Patient kann die Körperwaschung nicht selbständig durchführen, aufgrund einer Hemiplegie. So würde dem Pflegeproblem als Bestandteil der ENP-Pflegediagnose eine höhere Aufmerksamkeit zukommen, allerdings würde damit die Unterscheidung der 13 Selbstfürsorgedefizite Körperwaschungsdiagnosen an das Satzende gestellt werden. Die Mitarbeiter müssten in einer Softwarelösung deutlich mehr lesen, um zu den Unterscheidungskriterien der ENP-Pflegediagnose innerhalb der Subkategorie zu gelangen.

 

Definition: ENP-Kennzeichen

Jede Analyse eines Begriffes führt zwangsläufig zu den bestimmenden Merkmalen des Begriffes. Zur Feststellung eines Begriffsinhaltes und zur Festlegung eines pflegediagnostischen Konzeptes, wie z. B. den ENP-Pflegediagnosen, ist die Benennung der Kennzeichen, welche die Pflegediagnose stützen können, entscheidend. In der Terminologielehre werden den Merkmalen/Kennzeichen verschiedene Bedeutungen zugewiesen. „Die Gesamtheit der zu einem gegebenen Zeitpunkt festgestellten Merkmale eines Begriffes ist die Summe des Wissens über diesen Begriff“ (Arntz et al. 2004, S. 53 f). Dieses Wissen über den Begriff unterstützt, den Begriffsinhalt zu benennen und abzugrenzen. Ebenso unterstützen die Merkmale dabei, die Begriffe zu strukturieren und in eine Taxonomie einzuordnen.

 

Im pflegediagnostischen Prozess werden die Kennzeichen als Indikatoren zur Bestätigung einer Pflegediagnose genutzt (Gordon und Bartholomeyczik 2001, S. 43 ff.). Im Rahmen der Entwicklung der ENP-Pflegediagnosen werden die Merkmale zur Konzeptualisierung dieser eingesetzt. Im Folgenden wird die Definition der ENP-Kennzeichen vorgestellt.

 

ENP-Kennzeichen sind Indikatoren, Merkmale und Äußerungen des betroffenen Individuums. Diese tragen dazu bei, die Pflegediagnose/-probleme zu identifizieren, oder die Pflegediagnosen/-probleme untereinander abzugrenzen. Diese Merkmale, Indikatoren können Symptome beschreiben, weitere Merkmale für das Problem, biografische oder historische, physiologische oder psychische Indikatoren, eine beschriebene verbale Äußerung des Betroffenen zum Problem, beschriebene Reaktionen eines Menschen oder Risikofaktoren sein.

 

Die Kennzeichen von ENP beziehen sich sowohl auf das enthaltene Pflegeproblem, als auch auf die Problemspezifikation. Die Pflegediagnosen innerhalb einer Kategorie können allgemeine Kennzeichen beinhalten, die sich auf das Pflegeproblem beziehen.

 

Syntax der ENP-Kennzeichen

 

Die Kennzeichenformulierungen sind Symptome (z. B. Zyanosezeichen, Erhöhte Atemfrequenz, Giemen, Tachypnoe, Äußert Juckreiz), Äußerungen des Betroffenen (z. B. Äußert Angst vor den Schmerzen beim Abhusten; Beschreibt das Gefühl der Einsamkeit/der Verlassenheit), Verhaltensreaktionen (z. B. Erhöhte Reizbarkeit; Kann Wut/Ärger nicht adäquat äußern und richtet diese gegen Tiere/Gegenstände, reißt sich Haare aus), physiologisch feststellbare Merkmale (z. B. Atemfrequenz beim Erwachsenen unter 12 Atemzüge/Min.), oder Beschreibungen der Fähigkeitseinschränkungen des Betroffenen (z. B. Kann bestimmte Körperregionen nicht waschen, Kann Worte nicht deutlich aussprechen).

 

Die Kennzeichen stellen syntaktisch entweder vollständige Sätze dar, die aus einem Subjekt und einem Prädikatsverband (der Prädikat, Objekt(e) und/oder Ergänzung(en) beinhalten kann) bestehen und zudem in der Regel im Aktiv stehen. Oder sie sind Ellipsen bestehend aus Prädikat, Objekt(en) und/oder Ergänzung(en) oder nur aus Begriffen. Diese unvollständigen Sätze beziehen sich immer auf das Subjekt der Pflegediagnose. Z. B.: Die Fähigkeit, die Körperpartien zu waschen, ist eingeschränkt oder Infektiöse Hauterkrankung.

Definition: ENP-Ursachen

Ursachen können als Bezeichnung „für ein Ereignis oder eine Menge von Ereignissen, die ein anderes Ereignis, die Wirkung, kausal (Kausalität) hervorbringen“ definiert werden. In der „Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie“ wird der Ursachenbegriff auf Grundlage der vier Ursachentypen des Aristoteles, dem neuzeitlichen Wirkursachenverständnis von Hume und weiteren Philosophen definiert (Mittelstraß 1996, S. 442). Ein ähnliches Grundverständnis wurde der Definition der Ursachen bei der ENP-Entwicklung zugrunde gelegt. Zur weiteren Differenzierung der Pflegediagnose werden Ursachen formuliert, die für die Verursachung und Aufrechterhaltung des Gesundheitsproblems/-zustandes mit verantwortlich oder beeinflussend sind (Brobst et al. 1997, S. 17 f., Gordon 2001, S. 41).

 

In ENP sind die Ursachen wie folgt definiert:

 

ENP-Ursachen sind auslösende und/oder beeinflussende Faktoren, die zur Entstehung eines Pflegeproblems/einer Pflegediagnose führen beziehungsweise diese aufrechterhalten. Ursachen/beeinflussende Faktoren können Verhaltensweisen des Betroffenen, bestehende und bekannte Erkrankungen sowie beschreibbare Einschränkungen sowohl im psychosozialen Bereich wie auch im Bereich der körperlichen und kognitiven Fähigkeiten sein. Ebenso können Ursachen/beeinflussende Faktoren im Umfeld, der Sozialisation und den Erfahrungen des betroffenen Individuums zu finden sein.

 

Im Rahmen des Pflegeprozesses ist es bedeutend, die Ursachen von pflegerischen Problemen zu kennen, da häufig diese im Rahmen der Interventionsangebote mitbeachtet werden müssen, um ein Pflegeproblem zu beheben oder zu lindern. Zum Beispiel besteht ein Unterschied, ob sich ein Individuum nicht selbstständig waschen kann, weil die Ursache in der Bewegungseinschränkung postoperativ oder in einer Apraxie begründet ist. Die sinnvollen Interventionskonzepte sind bei den Beispielen je unterschiedlich.

 

Das Ursachenverständnis in ENP orientiert sich an der Analyse des Begriffes der Ursachen, die folgende Unterscheidung der Begriffsbildung hervorbringt (Hügli und Lübcke 2001, S. 640 ff):

Ursachen als Kausalitätsbeziehung zwischen Ursache und Wirkung. Ursachen als Kausalkette bzw. kausaler Zusammenhang, das bedeutet „[...] jenes Netz von Ursachen und Wirkung, in die ein Ereignis eingeflochten ist.“ (Hügli und Lübcke 2001, S. 642)

Mitwirkende Ursache, das heißt Ursachen, bei denen ein Zusammenhang mit der Wirkung besteht, die aber die Wirkung nicht alleine hervorrufen.

Ausschlaggebende Ursache, die Ursache, der ein zentraler Aspekt für die Wirkung nachgewiesen werden kann.

Wesentliche Ursachen, die eine notwendige Bedingung der Wirkung ist.

 

Die verschiedenen Sichtweisen und Unterscheidungen des Begriffs ‚Ursachen‘ werden in den ENP immer in Bezug auf die Pflegediagnoseformulierung formuliert. Von Interesse sind die besonderen Zusammenhänge der festgestellten Gesundheitsprobleme/-zustände eines Individuums, dessen Entstehungsursachen und den Faktoren, die das Problem erhalten.

Jeder ENP-Pflegediagnose können mehrere Ursachen zugeordnet werden. Das bedeutet, dass verschiedene Ursachen die Diagnose beeinflussen bzw. hervorrufen können. Diese im diagnostischen Prozess ausgewählten und formulierten Ursachen zu den Pflegediagnosen bilden die Basis für die Auswahl geeigneter Interventionen.

 

Die Ursachenformulierungen können Krankheiten (z. B. Manie, Rechtsherzinsuffizienz, Essstörung, Multiples Sklerose), Motive für Verhalten (z. B. Bedürfnis nach Selbstbestätigung, Widerwille bei der Nahrungsaufnahme, fehlendes Interesse, Angst, Schamgefühl), Zustände (z. B. Verwirrtheitszustand, anhaltende Appetitlosigkeit, Formveränderung am weichen Gaumen, Trinkschwäche, Belastungsdyspnoe, fehlendes Selbstwertgefühl, Bewegungseinschränkung), Wissens-/, Informationsdefizite (z. B. mangelnde Kenntnis über das Stillen, fehlender Zugang zu Informationen), soziokulturelle Einflüsse (z. B. familiendynamische Faktoren, Arbeitslosigkeit, Misshandlung), Gewohnheiten/Verhalten (z. B. ritualisierte Zwangshandlung, Kotschmieren, Aktivitätsmangel, ungenügende Grenzsetzung), beeinträchtigte Interaktion (spricht eine andere Landessprache), oder eingeschränkte/beeinträchtigte Fähigkeiten (z. B. eingeschränkte kognitive Fähigkeiten) sein.

 

Syntax der ENP-Ursachen

 

Die Ursachen stellen syntaktisch entweder vollständige Sätze dar, die aus einem Subjekt und einem Prädikatsverband (der Prädikat, Objekt(e) und/oder Ergänzung(en) beinhalten kann) bestehen. Oder sie sind Ellipsen, die entweder nur aus Prädikat, Objekt(en) und/oder Ergänzung(en) bestehen oder nur aus Begriffen. Diese unvollständigen Sätze beziehen sich immer auf das Subjekt der Pflegediagnose. Z. B.: Der Wille, die Körperwaschung durchzuführen, fehlt oder Eingeschränkte körperliche Belastungsfähigkeit.

 

 

Definition: Ressourcen

In ENP werden zu den Pflegediagnosen die Ressourcen (Fähigkeiten des Betroffenen) formuliert, die für die Auswahl der pflegerischen Zielsetzung und die Interventionsbestimmung von Bedeutung sind.

 

Eine ENP-Ressource ist wie folgt definiert:

 

ENP-Ressourcen sind Beschreibungen von Zuständen, körperliche, geistige und psychosoziale Fähigkeiten, Verhaltensweisen und/oder Faktoren im sozialen Umfeld, die dazu beitragen, Bewältigungsstrategien zu entwickeln und/oder Pflegeinterventionen zu unterstützen.

 

Die Ressourcenentwicklung ist immer vor dem Hintergrund der möglichst differenzierten Beschreibung und Beurteilung des Gesundheitsproblems/-zustands formuliert, von dem der Pflege-/Unterstützungsbedarf abgeleitet wird. So ist es für die Auswahl von Pflegezielen und Interventionen entscheidend zu wissen, ob ein Patient, der ein Selbstversorgungsdefizit Körperpflege hat, sitzen oder stehen kann und z. B. den Waschlappen selbstständig führen kann. Die formulierten Ressourcenbegriffe haben im Gegensatz zur den restlichen Gruppen in ENP nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Bei den Ressourcenformulierungen sind Pflegende aufgefordert, individuelle Ergänzungen im Rahmen des diagnostischen Prozesses vorzunehmen.

Die standardisierten Ressourcenformulierungen in ENP beinhalten Verhaltensweisen, handlungsfördernde Einstellungen, Unterstützungsleistungen des sozialen Umfelds oder physiologische Zustände, die dazu beitragen, Bewältigungsstrategien und Interventionen zur Behebung von Gesundheitsproblemen zu entwickeln und zu unterstützen.

 

Syntax der ENP-Ressourcen

 

Die Ressourcen stellen syntaktisch entweder vollständige Sätze dar, die aus einem Subjekt und einem Prädikatsverband (der Prädikat, Objekt(e) und/oder Ergänzung(en) beinhalten kann) bestehen. Z. B.: Kann Hilfsmittel gezielt einsetzen oder Äußert Einsicht in die Pflegemaßnahme.

 

Definition: ENP-Pflegeziele

Durch die zielgerichtete Pflege und die Förderung der Ressourcen soll das Pflegeziel erreicht werden. Pflegeziele sollen realistisch, erreichbar, überprüfbar, positiv formuliert und auf das Pflegeproblem/-diagnose bezogen sein. Einer ENP-Pflegediagnose sind mehrere mögliche Pflegeziele zugeordnet. Die Pflegeperson entscheidet sich je nach Patientenzustand für ein oder mehrere Pflegeziele.

 

Ein ENP-Ziel ist wie folgt definiert:

 

ENP-Pflegeziele legen die Pflegeergebnisse fest, die Pflegende mit dem Betroffenen oder für den Betroffenen planen und die innerhalb eines vereinbarten Zeitraumes erreicht werden sollen. Die erwarteten Ergebnisse sind in Form von künftig zu erreichenden Ist-Zuständen beschrieben. Die Pflegeziele können sich auf körperliche Leistungen und Fähigkeiten, physiologische Parameter, Wissen, Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmale, Befunde, emotionales Erleben und subjektives Empfinden sowie auf die Erkennung körperlicher Veränderungen beziehen.

 

Eine Nutzung der Pflegezielformulierungen zur Outcome-Messung ist möglich. Hierzu ist jedes ENP-Pflegeziel mit einer fünfstufigen Skala zur Einschätzung des Zielerreichungsgrades verknüpft. Es existieren unterschiedliche Arten der fünfstufigen Skalen. Allen gemeinsam ist, dass 5 bedeutet, das Ziel wurde erreicht und 1, das Pflegeziel wurde noch nicht erreicht. Hierzu ein paar Beispiele:

 

ENP-Pflegediagnose: Der Patient zieht sich vom sozialen Geschehen zurück, soziale Interaktion ist beeinträchtigt

Ursache: Psychische Erkrankung

Kennzeichen: Zieht sich in das Zimmer zurück

Pflegeziel: Nimmt unaufgefordert an Gruppenaktivitäten teil.

 

Die Pflegeperson schätzt die Zielerreichung auf einer fünfstufigen Skala ein. Die verknüpften Beurteilungsmerkmale zur Einschätzung des Zielerreichungsgrades lauten:

5 = vollständig erreicht

4 = weitgehend erreicht

3 = mäßig erreicht

2 = wenig erreicht

1 = nicht erreicht

 

Eine Codierung mit 1 würde bedeuten, dass der Patient das Pflegeziel Nimmt unaufgefordert an Gruppenaktivitäten teil bezogen auf die Pflegediagnose nicht erreicht hat (0 % Zielerreichung), die Codierung „wenig“ würde bedeuten, dass geringe, schwache Ansätze der Zielerreichung erkennbar sind (bis 25 % Zielerreichung), eine „mäßige“ Bewertung zeigt an, dass eine mittlere Zielerreichung vorhanden ist (26–50 %), eine „weitgehende“ Zielerreichung wird codiert, wenn das Ziel über 50 % erreicht ist (51–75 % Zielerreichung) und eine „vollständige“ Zielerreichung wird codiert, wenn das Ziel zu über 75 % erreicht wurde.

 

Die andere Art der Skalierung wird in ENP mittels operationalisierten Items des Zieles realisiert. So wurden zum Beispiel drei Pflegeziele zur Körperwaschung wie nachfolgend in der Tabelle beschrieben.

 

 

5-er-Skalierung Körperwaschung

 

Ausprägung 5

Ausprägung 4

Ausprägung 3

Ausprägung 2

Ausprägung 1

Kann sich den Körper selbstständig waschen und abtrocknen

Kann sich den Körper selbstständig waschen und abtrocknen

Kann sich den Körper unter Einsatz von Hilfsmittel und/oder verlängerter Waschzeit (> 15 Min.) selbstständig waschen und abtrocknen

Kann den Körper unter verbaler Anleitung und Anreichung von Materialien selbstständig waschen und abtrocknen

Kann den Körper teilweise selbstständig waschen und abtrocknen, Pflegeperson übernimmt schwer erreichbare Körperstellen

Ist in der Ausführung der Körperwaschung voll abhängig

Kann sich den Oberkörper selbständig waschen und abtrocknen

Kann sich den Oberkörper selbstständig waschen und abtrocknen

Kann sich den Oberkörper unter Einsatz von Hilfsmittel und/oder verlängerter Waschzeit (> 7 Min.) selbstständig waschen und abtrocknen

Kann den Oberkörper unter verbaler Anleitung und Anreichung von Materialien selbstständig waschen und abtrocknen

Kann den Oberkörper teilweise selbstständig waschen und abtrocknen, Pflegeperson übernimmt schwer erreichbare Körperstellen

Ist in der Ausführung der Oberkörperwaschung  voll abhängig

Kann sich Gesicht und Hände selbstständig waschen und abtrocknen

Kann sich Gesicht und Hände selbstständig waschen und abtrocknen

Kann sich Gesicht und Hände bei verlängerter Waschzeit (> 3 Min.) waschen und abtrocknen

Kann Gesicht und Hände unter verbaler Anleitung und Anreichung von Materialien selbstständig waschen und abtrocknen

Kann Gesicht und Hände teilweise selbstständig waschen und abtrocknen, Pflegeperson muss nacharbeiten.

Ist in der Ausführung, Gesicht und Hände zu waschen, voll abhängig

Tabelle 4: 5er-Skalierung der ENP-Ziele zur Körperwaschung

 

Ein Beispiel aus der Klasse Atmung und Kategorie „Physiologische Respiration“:

 


 

 5-er Skalierung Physiologische Respiration

 

Ausprägung 5

Ausprägung 4

Ausprägung 3

Ausprägung 2

Ausprägung 1

Die subjektiv empfundene Atemnot nach/während der körperlichen Aktivität befindet sich auf der 5-er-Skalierung >3 (1 = maximale Atemnot, 5 = keine Atemnot)

Literaturquelle: Gillissen, A et al. 2008

Empfindet während/ unmittelbar nach der körperlichen Aktivität eine normale/ unveränderte Atemaktivität

Empfindet während/ unmittelbar nach der körperlichen Aktivität eine leichte Atemnot (Dyspnoe)

Empfindet während/unmittelbar nach der körperlichen Aktivität eine mittlere Atemnot (Dyspnoe), diese kann durch Aktivierung der Atemhilfsmuskulatur gekennzeichnet sein

Empfindet während/ unmittelbar nach der körperlichen Aktivität eine schwere Atemnot (Dyspnoe), diese kann durch Zyanose, Aktivierung der Atemhilfsmuskulatur gekennzeichnet sein

Empfindet während/ unmittelbar nach der körperlichen Aktivität eine sehr schwere Atemnot (Dyspnoe), diese kann durch Todesangst, Panik, Zyanose, Aktivierung der Atemhilfsmuskulatur und/oder Nasenflügelatmung gekennzeichnet sein

Tabelle 5: 5er-Skalierung der ENP-Ziele der Kategorie Physiologische Respiration

Ein weiteres Beispiel stammt aus der Klasse Empfinden und der Kategorie „Frei von Schmerzen“:

 

 

5-er Skalierung Frei von Schmerzen

 

Ausprägung 5

Ausprägung 4

Ausprägung 3

Ausprägung 2

Ausprägung 1

Ist schmerzfrei 

Hat (keine) Schmerzen, die auf der numerischen Rangskala zwischen 1-2 eingeschätzt wurden

Hat Schmerzen, die auf der numerischen Rangskala zwischen 4-3 eingeschätzt wurden

Hat Schmerzen, die auf der numerischen Rangskala zwischen 5-6 eingeschätzt wurden

Hat Schmerzen, die auf der numerischen Rangskala zwischen 7-8 eingeschätzt wurden

Hat Schmerzen, die auf der numerischen Rangskala zwischen 9-10 eingeschätzt wurden

Tabelle 6: 5er-Skalierung der ENP-Ziele aus der Klasse „Frei von Schmerzen“

Ein letztes Beispiel stammt aus der Klasse Empfinden und der Kategorie „Den Fähigkeiten angepasste Anforderungen“:

 

 

 5-er Skalierung Den Fähigkeiten angepasste Anforderungen

 

Ausprägung 5

Ausprägung 4

Ausprägung 3

Ausprägung 2

Ausprägung 1

Die erwarteten körperlichen Anforderungen durch die Körperpflegeaktivität entsprechen den aktuellen körperlichen Fähigkeiten

Die erwarteten körperlichen Anforderungen durch die Körperpflegeaktivität entsprechen den aktuellen körperlichen Fähigkeiten

Die erwarteten körperlichen Anforderungen durch die Körperpflegeaktivität entsprechen teilweise den körperlichen Fähigkeiten, dieses zeigt sich in Form von völliger Erschöpfung nach der Körperpflegeaktivität

Die erwarteten körperlichen Anforderungen durch die Körperpflegeaktivität entsprechen teilweise den körperlichen Fähigkeiten, dieses zeigt sich in Form von stark veränderten Vitalparametern und/oder Schmerzen nach der Körperpflegeaktivität

Die erwarteten körperlichen Anforderungen durch die Körperpflegeaktivität entsprechen nicht körperlichen Fähigkeiten, dieses zeigt sich in Form von stark veränderten Vitalparametern mit Grenzwertüberschreitungen und/oder Schmerzen, die Körperpflege-aktivität musste (mehrmals) unterbrochen werden

Die erwarteten körperlichen Anforderungen durch die Körperpflegeaktivität übersteigen die körperlichen Fähigkeiten, dieses zeigt sich in Form Kreislaufkollaps, respiratorische Insuffizienz oder anderweitigen Krisen, die Körperpflegeaktivitäten können  nicht wie geplant fortgesetzt werden

Tabelle 7: 5er-Skalierung der ENP-Ziele aus der Kategorie „Den Fähigkeiten angepasste Anforderungen

 

Derzeit sind von den ENP-Pflegezielen 50 differenzierte Bewertungsskalen entwickelt. An der weiteren Überführung der ENP-Pflegeziele in operationalisierte Items wird kontinuierlich gearbeitet. Ziel ist es, weitere Ergebnisindikatoren zu entwickeln, die als Selbstbewertungsinstrument für den Patienten/Bewohner als auch als Messinstrument für die Pflegepersonen dienen sollen. Die bisher entwickelten Ergebnisindikatoren sind in der Software oder Datenbank verfügbar. Eine eigene Buchveröffentlichung ist geplant.

 

Damit eine einheitliche Bewertung der Zielerreichung im Pflegeteam möglich wird, ist die Diskussion der Zielerreichung mit dem Patienten und/oder im Team wichtig. Gerade Zielformulierungen, wie z. B. „Nimmt unaufgefordert an Gruppenaktivitäten teil“, unterliegen einer gewissen Subjektivität.

 

Syntax der ENP-Pflegeziele

 

Die Pflegeziele stellen syntaktisch entweder vollständige Sätze dar, die aus einem Subjekt und einem Prädikatsverband (der Prädikat, Objekt(e) und/oder Ergänzung(en) beinhalten kann) bestehen und zudem in der Regel im Aktiv stehen. Oder sie sind Ellipsen bestehend aus Prädikat, Objekt(en) und/oder Ergänzung(en) oder nur aus Begriffen. Diese unvollständigen Sätze beziehen sich immer auf das Subjekt der Pflegediagnose. Z. B.: Selbstständigkeit ist gefördert und Äußert Gefühl der Sicherheit bei den täglichen Aktivitäten.

 

Definition: ENP-Pflegeinterventionen

Pflegeinterventionen in ENP sind alle Handlungen im Kontext der Patientenversorgung, die durch Pflegepersonen auf Grundlage des pflegediagnostischen Prozesses durchgeführt werden.

 

Eine ENP-Pflegeintervention ist wie folgt definiert:

 

Eine ENP-Pflegeintervention ist der sprachliche Ausdruck für ein Interventionskonzept. Die Interventionskonzepte sind abstrakte Formulierungen von Pflegehandlungen, die aus zahlreichen Teilschritten bestehen. Die ENP-Pflegeinterventionskonzepte können sich auf direkte, indirekte oder administrative Pflegehandlungen beziehen, die zur Zielerreichung auf der Grundlage klinischer Entscheidungsprozesse und pflegerischen Fachwissens durch Pflegende eingeleitet und durchgeführt werden.

 

Zur Verdeutlichung ein Beispiel: Die Pflegehandlung „30°-Lagerung nach Seiler durchführen“ besteht aus zahlreichen einzelnen Teilhandlungen. Diese Teilinterventionen beginnen z. B. mit der Händedesinfektion, der Materialvorbereitung usw., der Patientenbegrüßung, Information des Patienten, dem eigentlichen Lagerungsvorgang, der sich wiederum in zahlreichen Einzelschritten beschreiben lässt (z. B. Kopfteil flach stellen, Kopfkissen entfernen usw.) und endet mit der Vergewisserung, dass der Patient nach der Lagerungsdurchführung keinen weiteren Wunsch hat und z. B. die Glocke erreichbar ist. Die einzelnen Handlungsschritte der in ENP formulierten Pflegeintervention sind nicht beschrieben, sondern sind im Rahmen der Ausbildung konzeptualisiert worden. Für die Pflegeprozessdokumentation ist es auch nicht sinnvoll, die einzelnen Handlungsschritte eines Interventionskonzeptes ausformuliert in die Patientenakte zu übernehmen.

 

Es gibt Pflegeinterventionen, die direkt am und mit dem Patienten durchgeführt werden (z. B. Ganzkörperwaschung durchführen), und Handlungen, die indirekt für den Patienten durchgeführt werden (z. B. Medikamente stellen).

 

 

Syntax der ENP-Pflegeinterventionen

 

Die Pflegeinterventionen stehen in der Regel im Infinitiv und beschreiben Anweisungen oder Aufforderungen zu Handlungen, die in der Regel im Aktiv stehen. Syntaktisch sind es Ellipsen bestehend aus Prädikat, Objekt(en) und/oder Ergänzung(en), wobei das Prädikat häufig aus Infinitivkonstruktionen besteht. Diese unvollständigen Sätze beziehen sich immer auf das Subjekt der auszuführenden Handlung. Z. B.: Themenzentriertes therapeutisches Pflegefachgespräch führen oder Belastungsreduzierende, schonende Bewegungstechniken einsetzen.

 

Interventionsspezifikation

In Fachliteratur wird gefordert, dass die schriftlich formulierten Pflegeinterventionen Antwort auf die „W-Fragen“ geben müssen. Diese sind: „Wer macht wann, was, wie, womit?“ Aus diesen Forderungen an die Formulierung der Pflegeintervention kann abgeleitet werden, dass Pflegeinterventionskonzepte handlungsweisenden Charakter haben sollen. Dieser Anforderung an die Formulierungen wird in ENP durch die Interventionsspezifikationen Rechnung getragen.

 

ENP-Interventionsspezifikationen sind wie folgt definiert:

 

ENP-Interventionsspezifikationen sind ergänzende Detailinformationen, die sich auf die Pflegeintervention beziehen. Diese können folgende Dimensionen beinhalten: Detailbeschreibung der Pflegeinterventionen, Unterstützungsgrad der Pflegenden bei der Durchführung der Intervention, Häufigkeit und geplante Uhrzeit der Interventionen, zeitliche Abstände der Pflegemaßnahmen, verwendete Pflegeprodukte und Hilfsmittel, Reihenfolge von vernetzten Maßnahmen, Topologie, Orts- oder Wegangaben sowie Mengenangaben, Anzahl benötigter Pflegepersonen zur adäquaten Durchführung der Pflegeintervention.

 

 

Normative-Zeitwerte in ENP

In ENP® sind die normativen Zeitwerte ebenfalls an die Pflegeinterventionen gebunden und werden fallbezogen summiert. Zur Vermeidung von ungünstigen Kumulationen sind Algorithmen hinterlegt. Die Zeitwerte sind Schätzwerte, die in einem über Jahre währenden empirischen Prozess mit Pflegenden ausgehandelt wurden.

 

Die hinterlegten normativen Zeitwerte sind durch den Kontextbezug zur Pflegediagnose gewichtet. So sind bei dementen Patienten/Bewohnern bei der Ganzkörperwaschung andere Zeitwerte hinterlegt, als bei einer Ganzkörperwaschung, wie sie bspw. bei einem Patienten, der aufgrund körperlicher Schwäche die Körperpflege nicht selbstständig durchführen kann, erfolgt.

 

Der Prozess der Zeitwerthinterlegung hat bereits 1996 begonnen und wurde mit der ersten Softwareanwendung im Feld kontinuierlich in Fokusgruppen mit Pflegenden justiert. Durch eigene Zeitwertmessungen im Rahmen von Forschungsarbeiten wurden ebenfalls weitere Justierungen der Zeitwerte vorgenommen. Bei der Verknüpfung von LEP-Nursing 3 und ENP®-Interventionen in 2004 fiel auf, dass die hinterlegten Zeitwerte zu einem hohen Anteil korrespondieren.

 

 


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